Folgen von Corona: "Innenstädte vor gewaltigem Umbruch" - was bedeutet das für LE?

11.06.20 von Uwe Janssen

In einem Interview auf tagesschau.de spricht der Stadtforscher Thomas Krüger über die Folgen von Corona für die Innenstädte. Dabei geht es vor allem um die Großstädte, nicht um Städte der Größenordnung von Leinfelden-Echterdingen. Aber die Situation und die Lage unserer Stadt in der Region Stuttgart gebietet es, sich jetzt auch hier mit diesen Fragen zu beschäftigen.

Für LE, in der Region Stuttgart, wo man vielleicht nicht einmal von Speckgürtel sprechen kann, wird das auch Folgen haben. Darüber sollten wir in der Stadt dringend eine Diskussion führen und Fachleute dazu anhören.

Was kann das für die Entwicklung von LE bedeuten?

  • Weniger Druck auf den Wohnungsmarkt, weil manche, die in Stuttgart arbeiten, künftig auch dort wohnen wollen, wenn es mehr Wohnraum gibt und der billiger wird?
  • Mehr Druck auf den Wohnungsmarkt, weil manche, die in Stuttgart arbeiten jetzt mehr im home office schaffen und froh sind, wenn sie in schöner Umgebung leben, wo sie mit den Kindern schnell im Wald usw. sind?
  • Mehr Ansiedlung von Büroarbeitsplätzen hier, weil man ja nicht mehr täglich nach Stuttgart zur Arbeit fahren muss und hier besser wohnen kann als unten im Kessel? Daraus folgend wieder mehr Druck auf den Wohnungsmarkt hier?
  • Abwanderung von Unternehmen nach Stuttgart oder anderswo hin, weil dort die Gebäudekosten mit den Nachfrage sinken und man eh weniger Platz braucht?
  • Verschwinden mancher Unternehmen, weil mir der Ankunft besserer Batterietechnik der „Nokia-Moment“ für Daimler & Co. gekommen ist, der sich auch hier auswirkt?
  • Ansiedlung neuer Unternehmen oder Unternehmensabteilungen hier, die sich den aktuellen Herausforderungen mit innovativen Ideen stellen, z.B. der Mobilität jenseits der Verbrenner?

Ich habe keine Antworten auf diese Fragen und sicher gibt es noch viel mehr Fragen, die jetzt zu stellen wären.

Ein 'weiter so' wie vor Corona kann es nicht geben

Weil die Antworten jetzt niemand hat, ist es dringend nötig, jetzt damit zu beginnen, über die künftige Entwicklung unserer Stadt intensiv nachzudenken. Nicht nur mit kurzfristigem Blick auf den Haushalt, oder ebenso kurzfristigem Blick auf die bestehenden Unternehmen und ihre heutigen und künftigen Geschäftsmodelle und Chancen. Alle Ideen und  Konzepte, die teilweise seit Jahrzehnten diskutiert und nicht umgesetzt werden, wie zum Beispiel die Nord-Süd-Straße, gehören auf den Prüfstand. Ideen von gestern und vorgestern helfen angesichts der durch die gegenwärtige Corona-Pandemie ausgelösten Entwicklungen sicher nicht weiter. Es gilt auch, Studien zu berücksichtigen, die sagen, dass sich der gesamte Personenverkehr künftig um bis zu acht Prozent reduzieren wird (Wuppertal Institut und EY). Aufgabe der Politik wie auch der Stadt ist es, alles dafür zu tun, dass vor allem der Autoverkehr reduziert wird.

Die Klimakrise wartet nicht

Nicht zu vergessen: jenseits der aktuellen Corona-Probleme ist der Klimawandel das weitaus größere Problem, mit dem wir uns auch in Leinfelden-Echterdingen beschäftigen müssen. Wir müssen den zu erwartenden Folgen wie trockene Sommer, häufigere Starkregen usw. begegnen und damit umgehen. Und - wichtiger noch - eigene Maßnahmen zur Verminderung des CO2-Ausstoßes durch Verkehr, Heizungen, Wirtschaft usw. treffen.

Ja, wir können das Klima nicht alleine schützen, aber wir können als Stadt wie auch als einzelne Bürger*in unseren Beitrag dazu leisten. Als relativ wohlhabende Stadt sind wir verpflichtet, das Mögliche zu tun und damit zu zeigen, dass Klimaschutz möglich ist und man trotzdem wohlhabend bleiben kann. Gerade in einer Stadt mit einer mittelständisch geprägten Wirtschaft wie hier in LE muss das möglich sein, denkt doch der Mittelstand eher in Generationen als in Quartalsbilanzen.

www.tagesschau.de/wirtschaft/innenstaedte-corona-101.html

wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/5089/

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