
05.04.2022 –
Beim Streuobstwiesenumgang in Musberg am letzten Samstag im März wurden Stadträtinnen und Bürger über den Zustand unser Streuobstwiesen informiert. Bei schönem Wetter konnten wir uns davon überzeugen, wie prägend – und doch auch wie gefährdet diese Kulturlandschaft ist.
Vor allem in unserer Region hat der Streuobstanbau eine lange Tradition. Noch vor Jahren war der Most im Keller der Stolz des Hausherrn. Und für die Kinder gab es Apfelsaft – selbstgemacht oder gegen das eigene Obst eingetauscht. Inzwischen sind die Streuobstwiesen und ihre Besitzer*innen in die Jahre gekommen. Die Pflege ist zeitaufwendig und oft auch beschwerlich, so dass viele Streuobstwiesen nicht mehr gepflegt werden und verwahrlosen. Ausdruck dessen, ist der zunehmende Befall der Bäume durch Misteln. Diese sind Halbschmarotzer, die die Bäume beschädigen und bei zunehmendem Befall auch gänzlich zerstören. Von der Dramatik dieser Situation könnten wir uns vor Ort selbst ein Bild machen.
Seit 1990 sind ¾ der Bestände abgeholzt worden – durch Flächenfraß, den Bau von Straßen und Gewerbegebieten oder die Umwandlung in Intensivplantagen. Dabei gehören Streuobstwiesen zu den artenreichsten Biotopen, mit einer hohen Artenvielfalt. Zahlreiche Arten können nebeneinander existieren, wenn die Pflege die entsprechenden Voraussetzungen dafür schafft (fehlende Düngung, zwei Mal im Jahr Mähen, Baumschnitt). Und nicht zu vergessen: Streuobstwiesen tragen dazu bei, alte Obstsorten zu bewahren. Aktionen von Supermärkten, die saisonal heimisches Obst anbieten sollte es viel mehr geben.
Unsere Fraktion unterstützt alle städtischen Maßnahmen zum Erhalt der Streuobstwiesen in unserer Stadt wie z.B. Apfelsaft LE, Förderprogramm Neupflanzung, Verleih von Motorstangensägen, Mistelbeseitigung auf Privatflächen. Aber es braucht auch ein Bewusstsein dafür, wie wichtig der Erhalt dieser einzigartigen Kulturlandschaft ist.
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